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Entwicklung von Hornmoospopulationen und ihren Lebensräumen im Schweizer Mittelland während der letzten 30 Jahren

Irene Bisang¹, Luc Lienhard² und Ariel Bergamini³

Was wir wissen

Das Acker- und das Gelbhornmoos sind charakteristische Vertreter in der typischen Ackermoosflora in Mitteleuropa (Abb. 1, 2). Sie sind auf offenerdige Stellen im Landwirtschaftsland angewiesen. Die Feldfrucht und Anbaumethoden sind entscheidend, ob Hornmoose in einem Acker auftreten (Bisang, 1998). Am besten entwickeln sich die Hornmoos-Populationen im Herbst in unbearbeiteten Getreide-Stoppelfeldern ohne Einsaat (Abb. 3). Die beiden Hornmoosarten sind frostempfindlich und damit in Mitteleuropa im Allgemeinen einjährig. Sie können aber im Boden eine Sporenbank aufbauen und so mehrere Jahre überleben (Bisang 1996, Bisang et al., 2009). In neuerer Zeit wurden vereinzelt Hornmoos-Populationen auch im Frühjahr beobachtet, die einen milden Winter überdauert hatten.

Die Hornmoose bilden eine isoliert stehende Entwicklungslinie der Moose von weltweit 200 bis 250 Arten (Villarreal et al., 2010). Die grösste Vielfalt findet man in tropischen Regionen. Von den acht in Europa heimischen Hornmoos-Arten finden wir drei in der Schweiz. Während eine dieser Arten (Anthoceros punctatus) auf das Tessin beschränkt ist, kommen das Gelb- und das Ackerhornmoos (Phaeoceros carolinianus, Anthoceros agrestis; Abb. 1, 2) in der Schweiz auch auf der Alpennordseite vor (zur Verbreitung der Arten in der Schweiz siehe „Online-Atlas der Schweizer Moose“).


Abb. 1. Schwarzhornmoos (Anthoceros agrestis), Gelbhornmoos (Phaeoceros carolinianus) und ein Sternlebermoos (Riccia sorocarpa) an einem Ackerrand.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts gingen zahlreiche Ackermoos-Spezialisten, so auch die Hornmoose, in vielen Gebieten Europas als Folge der enormen Intensivierung und Änderungen der Bewirtschaftung im Landbau zurück (Bisang, 1992; Hodgetts, et al. 2019). Beide Hornmoose sind denn auch in der Roten Liste der Moose der Schweiz als gefährdet eingestuft (EN, VU; Kiebacher, et al., in Vorb.) und das Gelbhornmoos ist ausserdem schweizweit geschützt (NHV, 2015). Sie haben einen hohen Stellenwert bei der Umsetzung der Naturschutzziele des Bundes: Das Gelbhornmoos ist eine der 17 Prioritären Arten, die an den Lebensraum „Feldfrucht“ gebunden sind (BAFU, 2013a). In den „Umweltzielen Landwirtschaft“ ist es eine Zielart, während das Ackerhornmoos zu den Leitarten (BAFU & BLW, 2008) gehört.

Schliesslich zeigten Untersuchungen im Rahmen von zwei Masterarbeiten, dass Biodiversitätsförderflächen, wie sie im Rahmen des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN; Schweizerischer Bundesrat, 2021) angelegt werden, z. B. Rotationsbrachen oder Blühstreifen, punktuell zur Förderung von typischen Ackermoosen, so den Hornmoosen, beitragen können (Studer, 2016, Valentini, 2014).

 


Abb. 2. Gelbhornmoos(Phaeoceros carolinianus) mit jungen Sporophyten und Antheridienkammern

Was wir untersucht haben - Ergebnisse

Während nahezu drei Jahrzehnten verfolgten wir die Vorkommen von Hornmoosen und die Bewirtschaftung in ausgewählten Äckern im Schweizer Mittelland, um den Einfluss der Feldbewirtschaftung und Massnahmen des ÖLN, und die Bedeutung des Wetters, für die Hornmoos--Populationen zu beurteilen. Wir untersuchten die Felder in drei Perioden jährlich jeweils im Herbst, wenn die Ackermoose am besten entwickelt sind (1991–1995, 2005–2007, 2016–2018).

Die Ergebnisse sind inzwischen publiziert (Bisang et al 2021) und wir werden sie hier in Kürze vorstellen.


Abb. 3. Stoppelfelder, die bis mindestens Ende Oktober stehen gelassen werden, sind bevorzugte, aber selten gewordene Habitate für Hornmoose und weitere Ackermoose.

Zitierte und weiterführende Literatur hier herunterladen.

August 2021

¹Naturhistoriska riksmuseet, Box 50007, SE-104 05 Stockholm, Sverige, irene.bisang"at"nrm.se;

² Natur&Geschichte, Waldrain 16, 2503 Biel, luc.lienhard“at“bluewin.ch

³ WSL, FE Biodiversität & Naturschutzbiologie, Zürcherstrasse 111, 8903 Birmensdorf, ariel.bergamini"at"wsl.ch

Fotos: Irene Bisang; Lars Hedenäs (Phaeoceros carolinianus)
April 2017

 
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